
Incongru
Quand l’art fait rire
Kunst ist eine seriöse Sache. Der Künstler spottet nicht über seine Auftraggeber, seien dies nun Päpste, Kaiser, Könige, Fürsten, Botschafter, Bürger oder Kunsthändler, zumindest wenn er ihr Einverständnis nicht voraussetzen kann. Das Credo des Bürgertums gründet auf der Vernunft, und was vernünftig ist, ist seriös.
Doch das Lachen verzerrt das menschliche Gesicht und ist eine teuflische Waffe der Verführung; es bedroht die Schicklichkeit und die bestehende Ordnung. Historisch gesehen, vertragen sich Kunst und Lachen, Humor oder Komik nur schlecht. Es gibt sozusagen eine grundsätzliche Unangemessenheit zwischen diesen Bereichen.
In der Literatur bestehen bevorzugte Genres, in denen das Lachen zum Zug kommen kann: Komödie, Satire, Pasticcio und Burleske. In den visuellen Künsten war diese Möglichkeit lange auf die Groteske und die Karikatur beschränkt. Lächeln, Grinsen oder feine Ironie dringen jedoch unaufhaltsam in das künstlerische Schaffen ein. Die Künstler zeigten sich stets am physischen Phänomen – das Gesicht als Spiegel der Seelenregungen – wie an den auslösenden Faktoren interessiert: Meist ist das Lachen das Ergebnis einer Unterschiedlichkeit, eines Paradoxes, einer Unangepasstheit, eines Kontrastes zwischen zwei Realitätsebenen – einer Unangemessenheit (incongruité).
Vom 17. Jahrhundert an wird der Humor für den Künstler zu einem wunderbaren der Kritik, der Infragestellung oder sogar der Subversion, ein Instrument, das er innerhalb des Kunstsystems oder gegen die Gesellschaft mit ihren Normen und Konventionen, ihren Einverständnissen, ihrer Moral, ihrer Ausgeglichenheit und ihrer Ordnung einsetzen kann. Um 1900 wird der Spott zu einem Schutzwall vor der Absurdität des Lebens und den Schrecken des Krieges, später vor allen Arten von Totalitarismen, eingeschlossen den «festlichen Panludismus» (Georges Minois) des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Vielleicht jedoch führen Amüsierlust, ständiger Spass, standardisiertes und programmierbares Lachen sowie allgemein verbreiteter Spott zum «Tod des Lachens».